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Rund ums Bier 

Ist Bier so schlecht, Frau Dolenc?

Im Frühjahr 2002 wurde die Kampagne für Gutes Bier (KGB) ins Leben gerufen - ein Verein, der den Konsumentenschutz für Biertrinker zum Ziel hat. Obfrau ist die 32-jährige Angestellte Britta Dolenc.

Alles über Bier: Sie führen eine Kampagne für "gutes Bier" - ist Bier bei uns so schlecht, Frau Dolenc?
Britta Dolenc: Im Gegenteil: Bier ist sehr gut - aber es braucht auch Pflege, die es leider nicht überall bekommt. Und es braucht Beachtung, einen höheren Stellenwert gegenüber der so hochgepriesenen Weinkultur.

Alles über Bier: Wenn Sie eine Kampagne führen - wer muss sich da fürchten?
Britta Dolenc: Früher hätte man wohl gesagt: Die Bierpanscher. Den Begriff gibt es heute zwar nicht mehr, wohl aber Wirte, die ihre Schankanlagen nicht sauber halten. Denen wollen wir auf die Finger schauen. Und den Brauereien: Als Bierliebhaber wünschen wir uns Spezialitäten - da sollten die Brauereinen auf Konsumentenwünsche achten.

Alles über Bier: Und die Brauereien, die Spezialitäten anbieten?
Britta Dolenc: Die Brauereien, ich würde sagen: fast alle Brauereien, brauen ja generell gutes Bier; manchmal wird es leider auf den letzten Metern zwischen dem Fass und dem Gast verdorben. Aber jenen Brauereien, die darüber hinaus etwas Besonderes anbieten, denen zollen wir besondere Anerkennung - ähnlich wie es unser Vorbild, die Campaign for Real Ale, CAMRA, in England tut.

Alles über Bier: Kampagne für Gutes Bier - abgekürzt KGB. Das letzte Sammelbecken für Sowjet-Nostalgiker?
Britta Dolenc: Aber nein, wird sind das erste Sammelbecken für Bierliebhaber, wo immer die politisch stehen. Natürlich ist der Name eine Provokation - und das hat uns auch kürzlich eine FPÖ-Politikerin geschrieben. Aber sie hat uns gleichzeitig ihren Beitrittsantrag geschickt, weil sie unsere Ziele - die Wahrung der Rechte der Bier-Konsumenten, die Förderung der Bierkultur, freien Wettbewerb, für niedrige Steuern und gegen Werbeverbote - unterstützt.

Alles über Bier: Sie selber sind eine junge Frau - ist das typisch für den neuen Typus des Biertrinkers?
Britta Dolenc: Es gibt jedenfalls immer mehr Frauen, die sich zum Biertrinken bekennen. Und ich sage bewusst: Trinken, nicht saufen. Ich selber habe damit in meiner Tanzschulzeit begonnen. Das Villacher Glockner Pils wäre mir damals zu bitter gewesen. Solche Unterschiede zu betonen, das ist auch eine lohnende Aufgabe - denn es gibt leider einen Trend, dass die Brauereien auch in Bitterbieren immer weniger Hopfen verwenden, weil sie glauben, dass die Konsumenten bittere Biere nicht mögen. Aber das gilt eben nicht für alle Konsumenten. Das habe ich auch erst lernen müssen.

Alles über Bier: Biertrinken kann man lernen?
Britta Dolenc: Ja, das ist Übungssache. Dann lernt man die Unterschiede kennen, kann sich an intensivere Geschmäcker herankosten. Bierpapst Conrad Seidl empfiehlt bei Verkostungen: Üben, üben, üben. Und das empfehlen auch wir unseren Mitgliedern und Freunden.

Interview aus "Alles über Bier", Sommer 2002:
(Ein WINING & DINING Spezial)